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Nach dem Untergang des „Tausendjährigen Reiches“ schwappte dann die Swingmusik, vorgetragen von riesigen Bigbands, unaufhaltsam über den Atlantik. Und mit der Musik kam ein ganz neuer Tanz – der Boogie Woogie.
Diesmal handelte es sich jedoch nicht nur um eine reine
Namensänderung des Swingtanzes – die Swingmusik selbst hatte eine
Veränderung erfahren. Der gute alte Blues war in Amerika neu
überarbeitet worden, mit einer fließenden Pianospielweise, aufgebaut
auf der Bassbegleitung der linken Hand. Das spiegelte sich auch im
Tanzstil wider: Obwohl der Boogie Woogie im Prinzip so getanzt wurde
wie der Swing, kamen die Paare nicht ins Schaukeln. Dazu war bei der
schnellen Musik gar keine Zeit. Rasend schnelle Füße, allein aus der
Hüfte getanzt – genau das richtige Mittel, um im zerstörten Deutschland
einer aufgestauten Amüsierwut Platz zu schaffen, alles Bedrückende
abzustoßen. Der Boogie-Rhythmus, viel schneller als zuvor beim Swing,
war wie ein Rausch, der oft bis zur körperlichen Erschöpfung ausgelebt,
getanzt wurde.
In den 50er Jahren stellte sich allmählich wieder ein Leben in
geordneten Bahnen ein. Doch viele Jugendliche empfanden das Bemühen
ihrer Eltern, eine heile Nachkriegswelt aufzubauen, als bieder – ja
verabscheuungswürdig. Da war der aus den Vereinigten Staaten kommende
Rock ’n’ Roll mit seinen heißen Texten, der fetzig-hämmernden Musik,
dem wilden Tanz und dem extravagant-modischen Outfit genau das richtige
Mittel, bestehende Konventionen umzustoßen. Man hörte, tanzte und - man
lebte Rock ’n’ Roll.
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